Samstag, 21. November 2015

Kälte überwunden

Im März, da begann die wohl schwierigste Reise meines Lebens.
Ich musste mich mit mir noch mehr auseinander setzten, als ich es im Alltag eh schon tat.
Ich musste etwas beginnen loszulassen, was mich so viele Jahre meines Lebens gekostet hat,
eine Krankheit bei der es kein "grau" gibt, keine Kompromisse, 
es gibt nur GANZ oder GAR NICHT.
Ich wollte es.
Ich wollte es ganz. Meistens
Den Frühling und den halben Sommer verbrachte ich in der Klinik.
Es gab eine Zeit, da konnte ich das neue Gewicht akzeptieren,
ich konnte mich auf das Essen einlassen,
ich hatte an manchen Tagen eine Ahnung davon, was das Leben einem zu bieten hat und wie es sich anfühlen kann, wenn man gesünder ist.
Ich merkte, wie mein Körper zu funktionieren began, wie die natürliche Körperwärme die restliche Kälte von März und April gut ertragen konnte.
Ich merkte, wie meine Stimmung unbefangener wurde und ich nicht mehr stündlich oder gar sekündlich an Essen denken musste.
Mir schien als sei die Kälte überwunden, als wäre ich so weit von der Krankheit entfernt, wie seit Jahren nicht.
Doch jetzt ist sie zurück, die Kälte.
Diese Kälte die von innen heraus kommt, wo einen weder warmer Tee, noch drei Paar Socken, noch die Strumpfhose unter der Jeggins, noch Decken und Pullover wärmen können.
Das ist diese Kälte die kälter als jeder Winter ist, diese Kälte, die einen tot fühlen lässt, die Kälte die einen lähmt und bewegungsunfähig macht.
Es ist die Frage, ob wir nur noch von der körperlichen Kälte sprechen.
"Ana" macht dein Herz kalt. 
Langsam. 
Genau so langsam wie mein Gewicht sinkt, genau so langsam erfriert das Herz, wird immer langsamer und kommt schließlich zum Stehen.

Heute bin ich so richtig unmotiviert was das Essen angeht.
Ich habe keine Lust, mehr als nen lauwarmen Kaffee von gestern zu mir zu nehmen.
Ich habe keine Lust dieses Essen in mich zu lassen.
Zum Glück ist mein Essen seit Wochen relativ genau geplant, es gibt immer das gleiche und das ist gut so, dann muss ich wenigstens nicht so viel nachdenken.

Gestern bin ich nach der Arbeit in der Schule noch eine Stunde spazieren gegangen, es war so gut, es war die große Runde und es war so kalt.
Im Sommer hatte ich gehofft besser durch diesen Winter zu kommen, mit ausreichend Nahrung, mit Lachen und Freude, mit Dingen die ich Jahre lang nicht essen konnte, mit körperlicher Wärme.
Ich hatte genaue Vorstellungen und jetzt?
Jetzt ist es bald Ende November, Weihnachten rückt immer näher, die Gedanken an das letzte Weihnachten schwingen immer mit, Angst wie es dieses Jahr werden soll, Angst wie ich weiter machen soll.
Steigern?
Nach Monaten in denen ich zunächst 1500-1800 Kalorien und schließlich 800-1200 Kalorien aß?
Ich kann das nicht.
Ich nehme nur langsam ab, ich lasse es einfach laufen, es wird eh niemandem auffallen, niemand wird es merken, ich kann einfach leise verschwinden, weil ja alle denken 
"Sie isst so gut" .

Meine Hände sind eiskalt, während ich hier sitze und meinen Gedanken freien Lauf lasse, versuchen mich Jacke und Decke zu wärmen.
Ein Hoch auf mein Leben -.-

Lauri <3

7 Kommentare:

  1. Ich schicke dir ganz viel Kraft und Wärme... es tut mir leid, dass es dir so schlecht geht und alles so schwer ist.
    Aber du bist stark und ich bin mir sicher, dass du da irgendwann raus kommen wirst, du musst nur durchhalten!
    Pass auf dich und Fühl dich gedrückt,
    Vanille ♡

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  2. Der Text klingt so traurig und so wahr:(
    Es tut mir Leid, dass es dir zur Zeit wieder so schlecht geht und du dich wieder so in die ES zurückziehst :(
    Fühl dich gedrückt!

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  3. Hey, beim Amtsarzt gibt es meistens nur eine "äußerliche Begutachtung" mit kurzem Gespräch. Da wird geschaut ob du dein Bewegungsapparat okay ist, du körperliche Auffälligkeiten hast (Fehlhaltungen usw).
    Dann wird darüber gesprochen wie es dir geht. Hast du Schmerzen bei irgendwelchen Bewegungen? Allergien? Sind alle Organe deines Wissens nach i.O.? Hast du psychische Probleme?(wird ganz kurz angeschnitten) Schlafstörungen? Konzentrationsschwäche? Schilddrüsenprobleme(wäre bei dir ja der Fall) Alles spielt eine Rolle in der Bewertung und sollte gesagt werden, auch wenn es nichtig erscheint...

    Das wird mit den Akten der Ärzte abgeglichen (und ergänzt), die du im Vorhinein schriftlich von der Schweigepflicht entbunden hast. Du musst nicht all deine Ärzte nennen und entbinden, es ist dir überlassen was sie über dich wissen sollen, aber um so mehr du ihnen gibst, umso mehr können sie schreiben. Dieses "äußerliche Gutachten" und Gespräch dauerte bei mir insgesamt einmal 15 Minuten und einmal eine dreiviertel Stunde. Kommt auf dem Arzt an dem du zugewiesen wirst, wie gründlich die sind.

    Dann gibt es auch noch ein psychiatrisches Gutachten. Da müsstest du beim JC sagen, dass du das auch machen möchtest, sonst wirst du nur zu dem ersten geschickt. Beide Gutachten stehen dir zu, du kannst es einfordern dass die gemacht werden, auch wenn dein Sachbearbeiter es vlt. nicht für nötig hält. Es ist aber dein Recht das festgestellt wirst was dir (nicht) zumutbar ist.

    Dieses Gutachten macht dann ein Psychiater, ich hatte meine Therapeutin übrigens nicht von der Schweigepflicht entbunden und er hat sich auf das gestützt was ich erzählt habe, mir geglaubt und alles mit in seine Beurteilung einfließen lassen. Er schreibt dann einen Extrabefund, zusätzlich zu dem ersten Gutachten. Mit eigener Einschätzung usw.
    In dem Gespräch wird gefragt, wie dein Leben läuft. Was mutest du dir zu? Wo hast/hättest du bei der Arbeit Probleme oder Ängste? Schränken dich deine psychischen Probleme im Alltag ein, wenn ja wie? Was sind im Moment deine Ziele (Genesung/Arbeit sowas halt)? Eventuell wird dann noch etwas gebohrt ob du Süchte hast, oder seit wann sich deine psyhcischen Missstände entwickelten Kindheit? Etwas Ausschlaggebenes usw.
    Das klingt jetzt echt viel und schlimm, aber dieses Gespräch war bei mir z.B. auch nur 40Min lang und seeeehr oberflächlich. Klar, ist es unangenehm es einem Fremden zu erzählen, aber eigentlich sagst du im groben und ganzen nur deine Ängste und Diagnosen und er schreibt es auf, da er sich eh nicht intensiver mit dir befassen kann.

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  4. Am Ende geht das Gutachten zum sozialmedizinischen Dienst, da stehen die Details drin. Das kannst du dir persönlich abholen und ansehen. Falls etwas fehlt, oder falsch ist kannst du es ändern lassen.
    Ein ganz grober Bewertungsbogen geht an das Jobcenter, da steht aber nichts wirklich wichtiges drin woraus sie dir einen Strick drehen können. Denn was du hast geht die nichts an und die sehen dann nur: Fr. XY darf am Tag "< 3Std.[nicht vermittelbar]" "bis 6 Std" "bis 8Std" (wird ankreuzt) arbeiten.
    Dann wird angekruezt ob du schwer heben darfst. Viel/wenig/im Wechsel laufen/sitzen/stehen kannst und sollst und ob auf besonderes geachtet werden soll bei der Vermittlung. Z.B. kein Umgang mit Alkohol, keine Zugluft, nicht im Freien, kein Stress, keine Höhen (bei Höhenangst z.B.).

    Außerdem steht dabei wie lange das Gutachten gilt und wann es erneut durchgeführt werden sollte, minimum sind glaube ich sechs Monate, wenn Besserung in Sicht ist. Ansonsten wird es nach sechs Monaten (wie bei mir) verlängert.

    Und darauf muss das JC eingehen. Unter drei Stunden Arbeit, bist du erstmal arbeitsunfähig. Bei bis zu sechs Stunden dürften sie dir dann keinen Job geben wie dein letzter. Die sind dann verpflichtet darauf zu achten, ansonsten kannst du Widerspruch gegen die Vermittlung einlegen.

    Also hin zum JC, Unterlagen für die Eineleitung eines medizinischen Gutachtens geben lassen. Selbstauskunft für den soz. med. Dienst ausfüllen und Ärzte von Schweigepflicht befreien. (Der Antrag ist echt nicht so kompliziert.) Das schickst du dann ab und bekommst in ein paar Wochen einen Termin bei dem Amtsarzt, der dir nach dem Zufallsprinzip zugeordnet wird. Dort gehst du hin. Nimmst am Besten noch Unterlagen mit, die dir wichtig sind, falls du sie zu Hause hast. Reißt die Gespräche runter und wartest erstmal ab. Nach ca. einer Woche kannst du das detailierte Gutachten beim sozialmedizinischen Dienst abholen.

    Dann bekommst du irgendwann Post vom deiner Sachbeabeiterin, sie hat den groben Bewertungbogen vom soz.med. Dienst bekommen und spricht mit dir bei einem Termin darüber. "Was für Jobs könntest du noch machen?" Oder auch "Hey, sie sind vorerst arbeitsunfähig. Erholen sie sich und werden sie gesund... Blabla"
    Wenn letzteres der Fall ist hast du erstmal Ruhe.

    Eigentlich gar nicht so schwer. Ich versuche gerne zu helfen. :)
    Ist ganz schön viel Text geworden, aber ich weiß wie es ist nicht zu wissen was einen da erwartet, habe auch ewig gegooglet und nichts (passendes) gefunden. Wie gesagt, sind nur meine Erfahrungen, aber im groben ist das eigentlich immer gleich. Soweit ich weiß.

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  5. der text hätte aus meiner feder stammen können...
    auch ich war noch so motiviert im sommer, das leben war wundervoll und warm. und jetzt...? wieder fast da, wo ich vor einem jahr auch war.
    ich schick dir kraft <3

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  6. Hey da ich keine Worte habe, die dir wirklich helfen würden, mag ich dir nur sagen, dass ich dich lese und verstehe.... So gut. Pass auf dich auf . viel Kraft für dich. Lg

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