...die Essstörung wird dich in die Knie zwingen.
Noch glaubst du du seist stärker.
Du glaubst, du könntest aufhören wenn du 'ne Therapie gemacht hast, 'n bisschen mehr gegessen hast, du glaubst du könntest beenden, was dich seit Jahren geprägt hat.
Ihr wisst, dass ich seit 8 Jahren essgestört bin, nie stark untergewichtig und doch krank genug für zwei Klinikaufenthalte und jetzt steht erstmals ein dritter im Raum.
Das steht nicht fest, es schwebt nur so im Raum, ich probiere es noch mal so.
Ich bin schwach, obwohl ich esse.
Ich bin am Tage müde und bekomme in der Nacht kein Auge zu.
Ich bin unkonzentriert und verpasse Vorlesungen in der Uni.
Es reicht eben nicht ein paar Monate besser zu essen und fett zu werden.
NEIN.
Eine Essstörung zu besiegen ist GENAU SO ein Kampf wie sie damals bekommen zu haben.
Die Essstörung zu besiegen wird dich weitere Jahre, Tränen und Schmerzen kosten und es reicht eben nicht für eine Weile symptomfrei zu sein.
Du musst Jahre lang GUT ESSEN, ohne ständige Ausrutscher, ohne light-Produkte, ohne Ausnahmen und genau DAS habe ich nicht geschafft.
Ich habe aufgegeben, mal wieder. Letztes Jahr lief es schon so gut, dann war der Schritt raus aus der Komfortzone doch zu groß, der Spagat zwischen Wunsch und Wikrlichkeit zu real.
Und jetzt...jetzt stehe ich wieder vor dem Punkt Klinik oder nicht.
Noch weiß es keiner, ich habe nur mit meiner Ernährungsberaterin/ Ökotrophologin drüber gesprochen.
Ich bin so dankbar dafür, dass sie mich unterstützt. Sie arbeitet halt schon seit Jahren mit Essgestörten und kann alles sehr gut analysieren. Sie denkt quer, arbeitet nicht nach "Schma F" und sie wagt es Wege zu gehen die andere vielleicht fragwürdig finden, aber immer zum Wohle der Patienten. So auch in meinem Fall.
Ich sollte eine Woche lang aufschreiben was ich esse. Heraus kam, dass alles wieder ganz chaotisch ist, ich die Portionen total falsch einschätze und meine "Fressanfälle" mengenmäßig gar keine sind.
Auf jeden Fall brauche ich Entlastung, Verantwortung abgeben (Klinikstyle), dennoch den Alltag leben, versuchen das gelernte umzusetzen (das Leben nach der Klinik). Wir versuchen also ein Zwischending zwischen Klinik und zuhause zu finden.
Wie ihr wisst fällt mir trinken schon immer leichter als essen, also hat sie mir folgenden Vorschlag gemacht. Um erstmal wieder eine unumstößliche Basis zu bekommen soll ich Fortimel (Trinknahrung) 3-4x am Tag trinken. Das ist das Grundgerüst, weil auch meine Nährstoffspeicher unbedingt aufgefüllt werden müssen.
An guten Tagen soll ich versuchen Obst und Gemüse, gerne auch etwas Laugengebäck oder Maiswaffeln in der Öffentlichkeit zu essen. Nach und nach sollen die Fortimels dann gegen Mahlzeiten eingetauscht werden. Außerdem soll ich schauen wie es von den Kräften her geht und zur Not von der Uni einfach mal heim gehen, wenn es zu viel wird. Genau das mache ich auch schon. Ich pack das sonst nicht.
Ich habe heute das Fortimel bestellt, es dauert leider bis es da ist, aber dann kann es los gehen und meine Ernährungstherapeutin wird mich per Mail und telefonisch eng betreuen.
Ich bin einfach so unfassbar dankbar dafür und bin gespannt wie es klappt.
Ich hoffe euch geht es soweit gut.
Mir leider nicht so, das Essen ist das Eine, aber die familiäre Situation die andere. Nun hatte mein Opa einen Schlaganfall und scheint nun ein Pflegefall zu sein. Auf der Intensivstation war es schrecklich, alles hat mich an Papa erinnert, aber dazu kann ich in den nächsten Tagen mehr erzählen.
Lauri <3
ich denke an dich liebe lauri und kann deinen kampf sehr gut nachvollziehen. ich kann behaupten circa 2 monate sehr sehr essstörungsfrei gewesen zu sein- aber natürlich gab es auch momente (viele sogar) wo alles scheiße war und ich immer wieder mit dem gedanken spielte zurück zur 37 zu kommen. aber man kann stärker als diese stimmen sein, irgendwann. es kostet ganz viel zeit. und ganz viel kraft. und natürlich nur wenn man es wirklich will. <3
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