Dienstag, 13. August 2019

Verantwortung

Mir wird schlecht, wenn ich daran denke, Verantwortung übernehmen zu müssen.
Für mich, für mein Leben, im Job.

In meinem Alter haben manche Menschen alte Verletzungen längst überwunden, 
geheiratet, drei Kinder, ein Haus und einen festen Vollzeitjob. 
Ich dagegen breche in Tränen aus, wenn ich daran denke ab dem 01.09. mein Anerkennungsjahr anzutreten und Verantwortung für kleine und größere Menschen übernehmen zu müssen.
So richtig Verantwortung. 
Professionell. Mit Jugendamtsgesprächen, schwierigen Eltern und verschiedenen Kollegen.
Mir ist übel.
Ein ganzes Jahr lang.
Das ist lächerlich.
Ich habe nur noch nie so RICHTIG gearbeitet. Ich habe es so lange ich konnte vermieden, Verantwortung zu übernehmen. Eher wollte ich sterben.
Wirklich.
Weil dann, wenn man einen Job hat, spätestens dann ist man erwachsen. Vorher mit 18. Vor dem Gesetz und in der Gesellschaft und dann MUSS es funktionieren. Und wenn nicht, dann bist du komisch, irgendwie anders, solltest dich mal beeilen, endlich aus den Kinderschuhen aussteigen.
Aber...
Aber....
Aber ich kann das nicht.
Wirklich.
Ich weine schon wieder, wenn ich nur daran denke. Weil das bedeutet, dass ich loslassen muss. Endgültig. Meine Kindheit, meine Sicherheit (in der ich mich trotzdem oft unsicher gefühlt habe), meine Freiheit.

Und dann ruft dieses kleine Miststück aus einer Ecke meines Kopfes: 
"Du hast doch mich. Nimm meine Hand. Ich bin für dich da. Immer!"
Da ist sie, die Magersucht. Ein kleines Wort mit so viel Bedeutung.
Sie hat so viel Schaden angerichtet und mir so viele Jahre meines Lebens geraubt und doch ist sie sicherer als das, was hinter dem Wort Verantwortung steckt.
Wenn alles zerfällt ist sie da. Wie gewohnt. 
Zerstörerisch, vereinsamend, zwanghaft, ekelhaft!
Aber das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.
Nichts neues. 
Sicherheit. 

Lauri <3

2 Kommentare:

  1. Ich verstehe deine Angst. Ich hatte sie auch, vor allem am Ende meines Studiums, als es um den ersten richtigen Vollzeitjob ging, obwohl ich schon Praktika und Nebenjobs hatte... Es ist ein komisches Gefühl. Und dieser erste Job war nicht perfekt für mich, ja, er hat mich eingesperrt. Aber ich habe Lösungen gefunden, einen Beruf gefunden, den ich liebe, und ein Setting (selbstständig), das zu mir passt. Es wird vielleicht eine Weile dauern, sich darin zurechtzufinden. Vielleicht musst du ein wenig nachjustieren, um die richtige Arbeit für dich zu finden. Aber letztlich bedeutet Erwachsensein für mich neben all den Pflichten eine große Freiheit. Die Freiheit, dass ich bestimme, was mit mir passiert, wohin ich gehe und wie ich mein Leben führe. Die kann mir niemand nehmen. Und wenn man es einmal zulässt, ist es ein unglaubliches Gefühl, eigene Entscheidungen zu treffen. Und das ist es, was Erwachsensein im Grund bedeutet. Ich wünsche dir, dass du die Holprigkeiten beim Start gut überstehst. <3

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  2. Ja, ich ebenfalls ein gefühltes Jahrzehnt auf Blogger unterwegs, allerdings habe ich meine Blogs ständig gelöscht und wieder neue errichtet – ein Teufelskreis. Doch diesmal bleibt er. :)

    Richtig, ich bin mittlerweile auch an einem Punkt wo ich einfach Dinge tue ohne Leute einzuweihen und ich denke das ist besser so.
    Ist bei mir in der Umgebung nicht einfach einen Therapieplatz zu kriegen, die Wartelisten sind endlos, aber man versucht sein bestes. Vielleicht wäre es gar nicht mal so schlecht, wenn ich mich stattdessen an eine Beratungsstelle wende.

    Zu deinem Post:
    Ich kann mich damit so unfassbar gut identifizieren, weshalb ich auch alles dafür tue meinen Bildungsweg in die Länge zu ziehen, jedoch muss ich zugeben langsam aber sicher bin ich an einem Punkt wo ich Verantwortung für mich selbst übernehmen MÖCHTE. Denn ich habe gemerkt, wenn ich das nicht tue, werden das andere tun. Irgendwo ist man dann dich abhängig von Menschen, die man unter Umständen gar nicht im eigenen Leben haben möchte. Ich glaube hinter dieser Angst vor Verantwortung warten ganz spannende Momente. :)

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